Chronik

Im 19. Jahrhundert war seit der Revolution 1848 die „deutsch-liberale“ Weltanschauung die bestimmende politische Kraft in der cisleithanischen Reichshälfte der Monarchie. Sie wurde im wesentlichen von den Studenten, den Intellektuellen und vom Bürgertum getragen. So wurde bereits kurz nach Errichtung der ersten landwirtschaftlichen Mittelschule Österreichs, des „Francisco-Josephinums“ 1869 in Mödling, von Josephinern die deutsch-liberale Studentenverbindung „Deutsche Eiche“ gegründet.

Wegbegleiter der Schule

Den Anstoß zur Stiftung der Korporation gab Franz Peschka, der einem Freisassenhof im ostböhmischen Abstorf entstammte, nach Absolvierung der Anstalt 1876 in vielen landwirtschaftlichen Zweck-Körperschaften eine führende Rolle spielte und 1891 in den böhmischen Landtag und in den Reichsrat gewählt wurde. Peschka gründete auch die Deutsche Agrarpartei 1) im Abgeordnetenhaus und wurde schließlich als deutscher Landmannminister im Jahre 1907 in den Rat der Krone berufen.

Schon beim Abgang Peschkas von der Lehranstalt nahm der junge Bund die Bezeichnung „Eiserner Bund“ und wenig später „Deutscher Verein“ an. Mit dem Namenswechsel wurde versucht, dem damals bestehenden Vereinsverbot für Mittelschüler zu entgehen. Der Vorsitzende dieser Vereine war Wilhelm Bersch, der es zu einem Pionier der Moorkultur und zum Professor der Bodenkultur bringen sollte.

1888 wurde die Burschenschaft „Rodenstein“ unter der Leitung von Franz Waldhäusl errichtet, der später niederösterreichischer Landeskulturrat wurde.

Rodensteiner 1888-1890
Rodensteiner 1888-1890

Als Beschützer der Korporation erwies sich stets der Direktor der Anstalt Dr. Carl Theodor von Gohren. Er war während seiner Studienzeit selbst Burschenschafter in Leipzig. Nach seiner Pensionierung musste sich der inzwischen als Burschenschaft „Ottonia“ firmierende Verband erneut auflösen.

Gründung der „Deutschen Tafelrunde“

Der folgende Neubeginn war trotz des fortbestehenden Vereinsverbots endlich von dauerhaftem Erfolg. Sechs Mitglieder der früheren „Ottonia“ gründeten am 26. Oktober 1900 im „Francisco-Josephinum“ in Mödling den Verein Deutscher Agrarstudenten (VDA) „Deutsche Tafelrunde“. Es waren dies Hugo Wandruszka von Wanstetten, Ignaz Baredschneider, Karl Rossa, Peter Handel, Oswald Hochfilzer und Karl Kirillo. Sie verzichteten anfangs auf das Tragen von Band und Mütze, widmeten sich aber weiterhin der Pflege des deutschen Studentenliedes und der weltanschaulichen Bildung. Ein Jahr später wurde auch das Pauken wieder eingeführt und wieder ein Jahr später das schwarz-grün-goldene Burschenband. 1909 wurde das farbstudentische Auftreten durch die Wiedereinführung des grünen Deckels komplettiert.

Politisch erreichten inzwischen die nationalen Spannungen in der Donau-Monarchie ihren Höhepunkt. Trotz eines im europäischen Sinne fortschrittlichen Nationalitätenrechtes und des „Mährischen Ausgleichs von 1905“ befand sich das staatstragende Deutschtum auf dem Rückzug zwischen slawischer Anmaßung und französischem Revanchismus. Die idealistisch gesinnte Jugend nahm dies nicht widerspruchslos hin. Sie besann sich vermehrt auf die urburschenschaftlichen Ideale „Ehre – Freiheit – Vaterland“, wie sie 1815 nach der Niederringung Napoleons proklamiert wurden. Auch die „Deutsche Tafelrunde“ erfreute sich unter diesen Rahmenbedingungen regen Zuspruchs.

Nicht genug, 1905 etablierte sich am „Francisco-Josephinum“ ein Pfeifenklub, aus dem 1906 die konservative Verbindung „Ger“ hervorging, die am 26. Oktober 1912 mit der „Deutschen Tafelrunde“ ein Kartell schloss. 1917 bis 1920 erlebte die „Ger“ eine neue Blüte. Im 40. Semester, im Jahre 1920, vereinigten sich die damals 37 Aktiven der Tafelrunde unter Eberhard Neubacher x, Max Mayerhöfer xx und Franz Breineder xxx mit den 26 Aktiven der Verbindung „Ger“ unter Walter Marzy x, Rico Giraldoni xx, Josef Strommer, Georg Kirchner und Waldemar Söldner in der „Deutschen Tafelrunde“ und traten 1921 dem „Passauer Sammelconvent“ bei. Die Mitglieder der „Ger“ konnten weiterhin ihr rotes Couleur tragen.

Beide Korporationen nahmen regen Anteil am volkstumspolitischen Leben Mödlings und wurden vom Bürgermeister der Stadt Dr. Hans Schürf kräftig gefördert. Der Aktivbetrieb der „Deutschen Tafelrunde“ wurde auch während des Ersten Weltkrieges weitergeführt.

Bis 1918 spielte sich der Couleurbetrieb in den Buden des Studentenheimes ab. Selbst der Paukbetrieb und die Convente wurden im Heim abgehalten. Nur größere Veranstaltungen wie Kneipen und Kommerse stiegen in der Vorderbrühl, in Gumpoldskirchen und an anderen Orten. Zu Pfingsten wurden Ausflüge in die Wachau und auf die Burgruine Aggstein unternommen.

Im Ersten Weltkrieg hatte die Korporation, die lange Zeit nur als Aktivverband existierte, viele Gefallene zu beklagen. Mit den Überlebenden gründete Josef Wilhelm Teufel vulgo Heimdall (aktiv 1902 – 1906) den Altherrenverband, nachdem er bereits 1908 mit der Sammlung der Alten Herren begonnen hatte. Die offizielle Gründung des Altherrenverbandes erfolgte am 14. November 1921. Teufel wurde dafür zum Ehrenbursch ernannt.

Die erste Republik brachte 1919 auch den Mittelschülern die Vereins- und Versammlungsfreiheit. Die „Deutsche Tafelrunde“ wurde als Verein deutscher Agrarstudenten behördlich genehmigt.

Gründung der D.V.S.V. „Agraria“

Am 19. November 1919 wurde an der neuen landwirtschaftlichen Lehranstalt in der Grenzstadt Laa an der Thaya unter Vorsitz von Erich Peschke – früher Burschenschaft „Ceres“ Neutitschein, Sudetenland, – die deutschvölkische Semestral-Verbindung (D.V.S.V.) „Agraria“ ins Leben gerufen, die in der damals bewegten Zeit auch „Selbstschutzaufgaben 2)“ gegen die räuberischen Grenzübergriffe der Tschechen übernahm. 1921 erklärte sich die Semestralverbindung als Burschenschaft.

Zu den Gründern der Korporation gehörten unter anderen Waldemar Maier, früher „Balto Teutonia“ Kaaden, Max Fuchs, zuvor ebenfalls „Ceres“, Neutitschein, Albin Schraffl, Alfred Schweighofer, Franz Schwamberger, Franz Peter und Otto del Fabro. Sie entschieden sich für braune Mützen und ein schwarz-grün-goldenes Burschenband. Gefochten wurde – wie üblich – mit Schlägern, aber auch mit stumpfen, vereinzelt sogar mit scharfen Säbeln.

In Laa an der Thaya war der Großteil der Studierenden bei der „Agraria“ aktiv. Der Verband genoss auch bei der örtlichen Bevölkerungen hohes Ansehen.

Aktivitas Agraria Laa 1921
Aktivitas Agraria Laa 1921

Vereinigung zur „Tafelrunde Agraria“

Am 7. Jänner 1925 beschickte die „Deutsche Tafelrunde“ Mödling das Laaer Kränzchen, woraus sich sofort ein freundschaftliches Verhältnis ergab. Als es dann 1926 zur Schließung der Schule in Laa und zur Vereinigung mit dem „Francisco-Josephinum“ kam, beschlossen beide Verbindungen unter Mitwirkung des Altherren-Verbandes die Fusion zur „Deutschen Tafelrunde Agraria“, die am 14. Oktober 1926 feierlich vollzogen wurde. An der Vereinigung waren federführend EB J. W. Teufel, Rudolf Botzenhart, Rudolf Deutschmann, Otto del Fabro, Alfred Wieselthaler und EB Jörg Friedrich Liebenberg.

Es wurden sowohl das Schwarz-grün-goldene Dreifarb als auch die grünen Kappen für die Tafelrundler und die braunen für die Agraren beibehalten. Weiters wurde im Fusionsprotokoll vom 14. Oktober 1926 vereinbart, dass künftig der Senior und Fuchsmajor den grünen Flaus und das grüne Barett bzw. Cerevis der Tafelrunde tragen und der Consenior den braunen Flaus und das braune Barett der Agraren verwendet. Als Farbenlied wird bis heute die schöne zeitlose Hymne der Agraren gesungen. Der Wahlspruch der Fusionsburschenschaft, der auch die Ehrenbänder ziert, lautet „Dem Bunde und dem Volke treu“. Als Waffenspruch wurde das Schiller-Zitat aus Wilhelm Tell „Der Freiheit eine Gasse, der Ehre unser Blut“ gewählt. Schließlich hatten sich die Agraren ausbedungen, aus eigenen Mitteln ein Agrarenbanner zu stiften, wobei sich Gottfried Bayer und viele Bürger aus Laa großzügig zeigten. Der Bannerkommers stieg am 7. Mai 1927 unter dem Ehrenschutz des Turnvereins Laa. Der erste Fahnenjunker war Josef Mitteregger.

Weihe des Banners 1927
Weihe des Banners 1927

Die Mitgliederwerbung wurde 1928 erheblich erschwert; es durfte erst im zweiten Jahrgang gekeilt werden. Trotzdem waren auf Grund des unermüdlichen Einsatzes von Hans Prinz von Thurn und Taxis als Fuchsmajor und Franz Weese allein im 58. Semester 14 Einsprünge zu verzeichnen. Auch unter den Aktiven-Sprechern Kniesel, Helmut Kautz und Andreas Vogelsang konnte sich die Verbindung vom 60. bis 63. und unter Erich Schwaiger, Georg Gutmannstal, Erhart Hartungen und R. Schier bis zum 66. Semester gut behaupten.

Am 11. Juni 1933 wurde von der Dollfuß-Regierung eine Auflösungsverordnung erlassen. Das Inventar wurde von EB Karl Seidl und Rudolf Schwarzrock privat in Sicherheit gebracht und so der Fortbestand des Bundes gewährleistet.

Übersiedlung nach Wieselburg

Im Sommer 1934 wurde die renommierte Lehranstalt von Mödling in das Schloss Weinzierl bei Wieselburg an der Erlauf übersiedelt.

Als Grund für die Schulverlegung wurde die in Mödling fehlende Schulwirtschaft angegeben. In Wieselburg bestand zwar ein Staatsgut, doch dieses steht bis heute nicht als Schulwirtschaft zur Verfügung. Der eigentliche Grund war sicher politischer Natur. Mödling war ein sehr volkstumsbewußtes Pflaster, von dem man sich den agrarischen christlich-sozialen Nachwuchs nicht anstecken lassen wollte. Außerdem konnte in das frei werdende Gebäude die Dollfuß-treue Chargenschule der Gendarmerie von Graz in die Nähe Wiens verlagert werden.

Mit der Lehranstalt übersiedelte auch die „Deutsche Tafelrunde Agraria“ nach Wieselburg. Obwohl der Austrofaschismus den Burschenschaften nicht sehr zugetan war und in Wieselburg sofort eine katholische Mittelschulverbindung gegründet wurde, wurde die Stammkorporation des „Francisco-Josephinums“ von der Direktion nicht wirklich behindert. Im Gegenteil, man schätzte die hohe Disziplin in der Korporation, die auch großen Wert auf entsprechenden Studienerfolg der Mitglieder legte. Schlechte Zensuren wurden mit Beurlaubungen und Strafpauken geahndet. Außerdem konnte und wollte die „Deutsche Tafelrunde Agraria“ keine Vorrechte durch politische Beziehungen in Anspruch nehmen.

Der Aktivenbetrieb litt nicht einmal durch das rigorose Internatsregime. Der Verband war – dank reger Keiltätigkeit - gleich stark wie der katholische. So wurden beispielsweise die damals nach Wieselburg fast alle mit der Bahn anreisenden Studienanfänger von den Aktiven auf dem Bahnhof in Farben begrüßt. In der Folge wurde den neuen Kommilitonen Unterstützung beim Gepäckstransport in das gut einen Kilometer weit entfernte Weinzierl angeboten. Auf dem langen Fußmarsch wurde nicht nur Wieselburg, sondern natürlich auch die Verbindung vorgestellt und dabei so manches Mitglied gewonnen. Erst die von der NS-Regierung verfügte Auflösung führte nach dem letzten Burschenkonvent am 6. Mai 1938 zur Einstellung des Aktivbetriebes.

Gründung des „Grün-weiß-grünen Bundes“

Der Zweite Weltkrieg forderte erneut große Opfer. Viele Alte Herren fielen, kehrten kriegsversehrt oder erst nach Jahren aus der Gefangenschaft zurück. Es dauerte lange, bis die in Tschechien, Rumänien und Jugoslawien vertriebenen und enteigneten Bundesbrüder heimisch und die Einschränkungen unter der alliierten Besetzung Österreichs überwunden wurden. Erst als man wieder zu einer auskömmlichen Existenz zurückgefunden hatte, konnte man an die Wiedererrichtung der Korporation denken.

Wieder war es Ehrensenior EB J. W. Teufel, der sich um die Sammlung der Absolventen verdient machte und dabei auch die Alten Herren der Fachstudentenschaft „Tafelrunde Agraria“ zueinander finden ließ.

Die Vereinsanmeldung des Altherrenverbandes erfolgte in Wien im Jahre 1953.

Beim Aufbau des Absolventenverbandes der Schule und des Altherrenverbandes der Verbindung entstanden auch fachliche und freundschaftliche Kontakte zu Absolventen und Alten Herren anderer landwirtschaftlicher Lehranstalten, vor allem zur Höheren Wein- und Obstbauschule in Klosterneuburg und dem fachstudentischen Corps „Unitas“ (EB DI Arthur Kirchner) sowie zur Höheren Bundeslehranstalt für Gartenbau in Wien-Schönbrunn, früher Eisgrub, und der Fachstudentenschaft „Rugia“ (Oberst Gansinger und Walter Klemm). Das führte 1956 zur Gründung des „Grün-weiß-grünen Bundes“, der Interessengemeinschaft der drei fachlich verwandten Verbindungen.

Schon die Vorbereitung der Reaktivierung begleiteten ständige Diskussionen über die Schlussfolgerungen aus den leidvollen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte und die zeitgemäße Interpretation der burschenschaftlichen Ideale. Die Ehre vieler anständiger Männer war befleckt worden und die Freiheit insgesamt massiv eingeschränkt. Ruf und Ansehen wieder herzustellen und die Freiheit zu verteidigen, wurden mehr denn je als erstrebenswerte Ziele angesehen, während das Vaterland, besetzt und teils zerstört, wieder in neuem Glanze erstehen sollte. Die studierende Jugend sollte dazu – frei vom parteipolitischen Hader der Ersten Republik – zur Selbstachtung, zu kritischer Offenheit und Heimatliebe angehalten werden. Damit war auch schon das Programm zur Wiedergeburt der burschenschaftlichen Verbände an den Höheren Landwirtschaftlichen Bundeslehranstalten definiert, die dann mit entsprechender Begeisterung auch umgesetzt wurde.

Reaktivierung nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Fachstudentenschaft „Tafelrunde Agraria“ erstand am 29. September 1957 in Wieselburg neu. Hagen Weese, Franz Glock und Hajo Beuge waren die ersten Chargen. Ehrensenior EB J. W.Teufel, EB Alfred Wieselthaler – 1956 erst aus der Gefangenschaft in Sibirien zurückgekehrt – EB Otto del Fabro, ES EB Erich Peschke, EB Hans Bernhart, EB Franz Weese und EB Wilhelm Thomas, EB Generalkonsul DI Artur Kirchner und August Friedrich Schiendl waren die Alten Herren der ersten Stunde.

Kirchner, Wiesenthaler und Teufel bei der Reaktivierung 1957
Kirchner, Wiesenthaler und Teufel bei der Reaktivierung 1957

Die Aktivitas verzeichnete regen Zulauf. Der Aktivenstand steigerte sich von sieben im Jahre 1958 auf 32 im Jahre 1962. Unter dieser Gruppe der Neuzugänge befanden sich die späteren Ehrenburschen Harald Regenfelder, Franz Schachinger und Josef Überacker.

Das erste Farbenheim nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich beim Bärenwirt in Petzenkirchen. Weil damals nur wenige Aktive ein Fahrzeug besaßen, legten manche den weiten Weg zum wöchentlich stattfindenden Allgemeinen Convent zu Fuß zurück. Diese Situation verbesserte sich erst mit der Anmietung des Saales im Gasthaus Schopf, direkt neben dem Josephinum, als repräsentative Bude für die nächsten zehn Jahre. Der Saal wurde mit neuen Fenstern und von der Aktivitas in vielen Arbeitsstunden mit schmiedeeisenen Beleuchtungskörpern, Ölofen usw. ausgestattet. Der große, schöne und helle Raum wurde im September 1961 als Bude eröffnet und konnte sogar für Stiftungsfeste und zum Pauken genutzt werden.

1960 richtete die Fachstudentenschaft die erste Sonnwendfeier auf der Burgruine Aggstein aus. Diese seither alljährlich stattfindende Veranstaltung wurde als Aggsteinfest bald sehr beliebt und wird inzwischen auf der neu renovierten Burgruine Senftenberg in der Wachau ausgerichtet. Die Organisation und Abwicklung der Sonnwendfeier wurde im Laufe der Zeit dem Landesdelegiertenconvent (LDC) Niederösterreich und dem Grün-weiß-grünen Bund übertragen.

Am 30. September 1961 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das erste große Stiftungsfest in Wieselburg gefeiert, und zwar in der Volksfesthalle. Es konnten rund 140 Gäste begrüßt werden. Mit einem Festzug und einer Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal zeigte man sich der Wieselburger Öffentlichkeit.

Vor dem Julfest 1961 wurde die erste regelmäßig erscheinende Mitgliederinformation aufgelegt. Das Blatt wurde von der Aktivitas ins Leben gerufen und nach dem Vorbild der Rugenzeitung eigenverantwortlich gestaltet. Die Herausgabe des Rundschreibens übernahm 1968 der Altherrenverband. Es erscheint seither unter dem Titel „Unser Bund“.

Der Großteil der Aktivitas 1962
Der Großteil der Aktivitas 1962

Wie nicht zuletzt aus den von der Aktivitas gestalteten Ausgaben der Mitgliederinformation ersichtlich ist, wurde von der damaligen Aktivitas vorbildliche Arbeit geleistet. Im Vordergrund stand die Schulung und Persönlichkeitsbildung der jungen Mitglieder. Die Reden bei den Veranstaltungen befassten sich vorzugsweise mit zeitgeschichtlichen Themen. Es kam auch die Unterhaltung nicht zu kurz, und es wurden intensive Kontakte zu den Schwesterkorporationen des „Grün-weiß-grünen Bundes“ und den LDC-Bünden in Nieder- und Oberösterreich gepflogen.

1963 wurden nach dem Zweiten Weltkrieg wieder die ersten Mensuren geschlagen, und zwar in Wien von den Bundesbrüdern Siegfried Meier, Harald Regenfelder, Nikolaus Reinprecht und Franz Schachinger. Das Pauken mit Schlägern brachte uns DI Herbert Mayer bei, ein bei einer Wiener akademischen Burschenschaft korporierter junger Alter Herr, der in einem Industriebetrieb in Rottenhaus tätig war.

Reaktivierung in Irdning

1966 konnte an der Höheren Bundeslehranstalt für alpenländische Landwirtschaft in Raumberg die Laaer Agrarentradition durch Reaktivierung der Fachstudentenschaft „Agraria“ zu Irdning mit 16 Aktiven fortgesetzt werden. Die ersten Chargen hießen Mandl, Gamauf, Nagele, Eisner bzw. Kroismayer, Promitzer, Zedlacher und Gaigg.

Die Auflöffelung der „Agraria“ wurde durch Fritz Eisner möglich. Er war bei der „Tafelrunde Agraria“ aktiv und wechselte vom „Francisco-Josephinum“ nach Irdning, wo er sofort Gleichgesinnte um sich scharte und mit der in Wieselburg erworbenen Couleurerfahrung den Aufbau der Korporation betrieb. Ein Jahr vorher war das Kurt Possegger noch verboten worden. Auch er war in Wieselburg Mitglied der Fachstudentenschaft und wechselte nach Irdning.

Im Jahre 1967 sah sich der Altherrenverband wegen der laufenden Behinderung der Korporation durch die Schuldirektion veranlasst, unter Hinweis auf die Heim- und Schulordnung eine Eingabe beim Landwirtschaftsministerium durchzuführen, worauf das Verbot der „Mitgliedschaft bei Vereinen“ aus der Schulordnung ersatzlos gestrichen wurde.

Die Reaktivierung der „Agraria“ bescherte den Laaer Agraren wieder eine eigene Aktivitas. Sie verblieben aber weiterhin im Altherrenverband der „Tafelrunde Agraria“, in den dann auch die jungen „Agraren“, die in Irdning absolvierten, aufgenommen wurden. Leider standen von der „Tafelrunde Agraria“ und vom „Grün-weiß-grünen Bund“ einhundert Kilometer im Umkreis von Irdning kaum Alte Herren für die laufende Betreuung der Aktiven zur Verfügung, so dass 1973 vertagt werden musste. Spätere Bemühungen, die „Agraria“ zu Irdning wieder zu beleben, blieben bisher erfolglos.

Erfolgreich war dagegen die Reaktivierung des fachstudentischen Corps „Normannia Brünn“ 1970 an der Höheren Landwirtschaftlichen Bundeslehranstalt in St. Florian bei Linz, an der Mitglieder der „Tafelrunde Agraria“ maßgeblich mitwirkten. Der Bund feierte am 8. Juni 2001 das 90. Stiftungsfest mit einer Festakademie und einem Festkommers im Festsaal der Lehranstalt.

Nach der Blüte Ende der Fünfziger und in den Sechzigerjahren zeigten sich in Wieselburg Stagnationserscheinungen. 1972 und 1973 wurden die einzigen Fuchsungen dieses Jahrzehnts durchgeführt.

Bemerkenswert ist in den Siebzigerjahren noch die Einrichtung eines Museums des „Francisco-Josephinums“ in einem Turmzimmer des Schlosses Weinzierl unter Mitwirkung der „Tafelrunde Agraria“. Einschlägige Exponate zeugen von der Existenz und vom jahrzehntelangen Wirken der Korporation.

Neustart in Wieselburg

Der inzwischen „moderne“ linke Zeitgeist wurde allmählich auch in Wieselburg spürbar. Das wertebewusste Denken verlor an Attraktivität und begünstigte den konsumorientierten Egoismus. Die idealistische wich zunehmend der materialistischen Einstellung. Einer im damaligen Österreich fast nur mit Hilfe einer Großpartei mögliche Karriere war die Zugehörigkeit zur Fachstudentenschaft wenig förderlich. Die Jugend lehnte vielfach jede Bindung ab, ohne sich der damit verbundenen Vereinsamung bewusst zu sein. Außerdem wurden die Josephiner immer jünger und mobiler; viele fahren heute nahezu jedes Wochenende heim und haben daher weniger Zeit für das Vereinswesen.

Dazu kam der Generationswechsel innerhalb des Altherrenverbandes. Die Nachkriegsgeneration verließ sich zu sehr auf die bewährten Vorbilder, die nach und nach in die ewige Heimat abberufen wurden bzw. altersbedingt immer weniger in der Lage waren, den Aktivenbetrieb aufrecht zu erhalten. Erst als die Reaktivierungsgeneration die Chargen im Altherrenverband übernahm, ging es wieder aufwärts. EB Franz Schachinger übernahm nach dem Tod des Ehrenseniors EB Alfred Wieselthaler den Vorsitz. Josef Überacker ließ sich als Fuchsmajor reaktivieren.

In der neuen Ära wurde auch zu den drängenden Fragen der Zeit klar Stellung bezogen, wie zu den Themen europäische Einigung, Liberalisierung und Umweltschutz. Die Fachstudentenschaft sprach sich stets für ein Europa der Völker aus und setzt das friedliche Nebeneinander über das multikulturelle Chaos. Die eigene Lebensmittel- und Energieversorgung werden als Menschenrecht betrachtet und der Umweltschutz als Gebot der Vernunft.

Am 6. Mai 1983 gelang dann mit fünf Aktiven ein neuer Anfang. Bei der Reaktivierungskneipe im Gasthaus Schopf in Weinzierl wurde auch Frau Grete Wieselthaler, die Gattin des verstorbenen ES EB Alfred Wieselthaler, zur ersten Ehrendame des Bundes  ernannt. ES Wieselthaler leistete für die Korporation unschätzbar viel und wurde dabei stets tatkräftig von der Gattin unterstützt, der mit der Auszeichnung eine späte, aber verdiente Ehrung zuteil wurde.

Zum ersten Burschen der neuen Generation wurde beim 83. Stiftungsfest Andreas Mirtl geschlagen. Der Bundesbruder vertritt seit 1985 die Fachstudentenschaft im Vorstand des Absolventenverbandes, was zuletzt jahrelang ES Willi Thomas besorgte.

In der ersten Zeit stand die Fuchsenschulung, die Keilung und Budensuche im Vordergrund der Bemühungen. Zur Mitgliederwerbung wurde am 3. Mai 1984 erstmals in der Lehranstalt öffentlich eine Veranstaltung ausgeschrieben und durchgeführt, nämlich ein Liederabend mit Dr. Martin Rockenschaub, der bei den Besuchern sehr gut ankam. 1985 erhöhte sich der Aktivenstand wieder auf zehn Mitglieder.

Bude in der Raimundstraße 4

Besonders schwierig gestaltete sich die Budensuche. Die Treffen fanden zunächst in Nebenzimmern von Gasthäusern und im Kneipzimmer der Turnhalle in Ybbs statt. 1986 konnte endlich ein Zimmer unweit des Josephinums in einem Privathaus in der Fürnbergstrasse 4 bezogen werden.

Zum 89. Stiftungsfest im Brauhof erschien erstmals in der Zweiten Republik auch der Direktor des „Francisco-Josephinums“ als Gast. Die früher oft spürbaren Anfeindungen der Korporation schienen überwunden und die Rolle der Verbindung akzeptiert.

Nach der Wende (Zusammenbruch des Kommunismus 1989) organisierte die Korporation Anfang 1990 einen Vortrag über Siebenbürgen im Festsaal der Anstalt; der Vortrag wurde sogar vom Direktor persönlich eingeleitet.

Im September wurde an jeden Schüler eine Einladungen für eine Informationsveranstaltung der „Tafelrunde Agraria“ verteilt, die neue Fuchsen bescherte unter anderen Bundesbruder Johannes Stippich, der in seiner Aktivenzeit sehr viel bewegte. Beim 90. Stiftungsfest wurden die Altenherren Josef Überacker und Karl Winkler für die Verdienste um die Aktivitas zu Ehrenburschen ernannt.

Vor dem 91. Stiftungsfest wurde vom Aktiven Stippich die erste Partie mit stumpfem Säbel in der Turnhalle Ybbs ausgetragen. Beim Generalconvent 1992 wurde dann die Umstellung auf die Linzer Paukordnung beschlossen mit der Begründung, dass sich die Aktiven meist zuwenig Zeit nehmen zum Einpauken. Als Paukboden stellte Ehrenmitglied Hans Aigner, Gastwirt in Bodensdorf, kostenlos einen Gewölbekeller zur Verfügung.

Julkneipe im GH Wurzer in Mühling 1991
Julkneipe im GH Wurzer in Mühling 1991

In den Achtziger und Neunzigerjahren wurde als gesellschaftlicher Höhepunkt von den Aktiven und Alten Herren immer wieder auch der größte waffenstudentische Farbenball, der Ball des Wiener Korporationsringes, in den Festsälen der Wiener Hofburg besucht.

1993 konnte eine größere Bude in einem Privathaus in der Fürnbergstraße 9 angemietet und eingerichtet werden. 1994 wurde von der Aktivitas der erste Farbprospekt gestaltet. Weiters wurden Couleurkugelschreiber für Keilzwecke beschafft und Aufkleber mit unserem Wappen hergestellt.

Am 9. März 1995 hatte die Korporation einen großen Verlust zu verkraften. Der inaktive Bursch Bernhard Frey, der sich nach dem Wechsel an eine allgemeinbildende Mittelschule noch immer sehr für die Aktivitas einsetzte und daher als große Nachwuchshoffnung galt, schied durch eine Kurzschlusshandlung freiwillig aus dem Leben.

Erster Kommers in der Aula

Am 4. Mai 1996 wurde erstmals der Grün-weiß-grüne Kommers in Wieselburg ausgerichtet, der alle fünf Jahre in Verbindung mit den runden Stiftungsfesten der Mitgliedskorporationen jeweils an einem anderen Schulstandort veranstaltet wird. Es wurde dafür die Aula, der überdachte Schlosshof für rund 160 Festgäste zur Verfügung gestellt. Das Fest begann mit einem Platzkonzert in Wieselburg und einem Festzug nach Weinzierl. Den Ehrenschutz der Veranstaltung übernahmen der dritte Nationalratspräsident Univ.-Prof. Dr. Willi Brauneder, Landwirtschaftsminister Mag. Wilhelm Molterer, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Bezirkshauptmann Dr. Berthold Panzenböck, Bürgermeister Franz Glösmann und Schuldirektor HR DI Dr. Johann Ramoser. Als Festredner wurde der Buchautor und erfolgreiche Kritiker der linken Kulturszene Prof. Dr. Walter Marinovic aus Wien gewonnen, wie insgesamt bei vielen Stiftungsfesten und Vorträgen bekannte Festredner sprachen, so Ing. Herbert Putz, Präsident des „Verbandes Österreichischer Ingenieure“, Univ.-Prof. Dr. Roland Girtler, Historiker Rudolf Czernin, Brigardier Walther Groß, Prof. Horst R. Übelacker, FJ-Direktor HR DI Dr. J. Ramoser, Buchautor Ing. Winfried Schuberth und andere.

Anläßlich des GWG-Kommerses konnte der Aktivitas eine neue Standarte übergeben werden, da das Agrarenbanner nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr auffindbar war. Das neue Banner wurde durch den Verkauf von Fahnennägeln finanziert. Als Spender betätigten sich die Korporationen des Grün-weiß-grünen Bundes sowie Freunde und Mitglieder.

Bewahrer des Kudlich-Erbes

Eröffnung der Kudlich-Warte am 1.10.2000 Beim 99. Stiftungsfest konnte Präsident Dr. Manfred Frey als Ehrenmitglied aufgenommen werden. Der Geehrte ließ der Korporation eine namhafte Stiftung zukommen zur Wahrung des Andenkens an seinen einzigen Sohn Bernhard und lud die Aktiven zu einer Busfahrt in die Heimat des Bauernbefreiers und Burschenschafters Hans Kudlich nach Lobenstein, früher Österreichisch-Schlesien, heute Tschechien, ein. Die Fahrt wurde am 21. und 22. Mai 2000 durchgeführt.

Beim erwähnten Jubelfest wurden schließlich weitere Damen für ihre Mitarbeit im Bund zu Ehrendamen ernannt, nämlich Eva Gaigg, Marianne Schachinger und Brigitte Vogelsang. Mit der Auszeichnung wurde ein Zeichen gesetzt für die erforderliche und willkommene Einbindung der Frauen.

Überdies unterstützte die Fachstudentenschaft die Wiederherstellung der Hans-Kudlich-Warte in Lobenstein und ist dort auch als Förderer vermerkt. Für die Wiedereröffnung des Bauernbefreier-Denkmals am 1. Oktober 2000 stellten die „Tafelrunde Agraria“, die akademische Burschenschaft Silesia und die Fachstudentenschaft „Rugia Eisgrub“ Chargierte und Farbenträger.

Am 21. Oktober 2000 wurde das 100. Stiftungsfest würdig in der Aula der Schule gefeiert. Die rhetorischen Beiträge befassten sich mit dem an der Schwelle zum neuen Jahrhundert beherrschenden Thema, der Globalisierung. Der Hauptredner, Buchautor und Regierungsdirektor Manfred Ritter aus Nürnberg, zeigte Möglichkeiten auf, eventuell drohenden Gefahren zu begegnen. Zu dem vom ÖTB-Spielmannszug aus Linz umrahmten Fest waren rund 130 Besucher erschienen.

100. Stiftungsfest im Oktober 2000
100. Stiftungsfest im Oktober 2000

Im Jahre 2005 wurde durch Kauf einer Wohnung in Wieselburg, Raimundstrasse 4 (Brauhofnähe), eine dauerhafte Bleibe gefunden. Das Farbenheim besteht aus dem großen Bernhard-Frey-Kneipraum mit Terrasse, einem vermietbaren Studentenzimmer, aus der Küche und den üblichen Nebenräumen. Die Anschaffung wurde möglich durch großzügige Unterstützung unseres EM Dr. Manfred Frey und namhaften Spenden der Alten Herren und Förderer des Bundes.

Schlußfolgerung

Alles in allem zeigt der nun schon mehr als einhundertjährige Bestand der Fachstudentenschaft „Tafelrunde Agraria“, dass auch neue Generationen die bewährten Werte und Grundsätze der Groß- und Urgroßväter teilen. Sie bewahren die Liebe zum eigenen Volk und Vaterland und achten und schätzen gerade deshalb auch die anderen Völker und Länder. Sie kümmern sich um die Menschenwürde und treten für die Freiheit des einzelnen und der Volksgemeinschaft sowie für Meinungsfreiheit und Demokratie ein, denn Gerechtigkeit und Rechtstaatlichkeit sowie die Obsorge für das Gemeinwohl sind unverrückbare Prinzipien, die es gegen Anmaßung und Majorisierung durch andere zu verteidigen gilt. Daran hat sich seit Bestehen der Korporation nichts geändert.

Farbenhochzeit von Bb Rene Horvath am 9.9.2000
Farbenhochzeit von Bb Rene Horvath am 9.9.2000



Fußnoten:

1) Die „Deutsche Agrarpartei“ wurde im deutsch-böhmischen Raum gegründet und ist vergleichbar mit den „Bauernbünden“ im damaligen österreichischen Kernland. Beide Gruppierungen versuchten der bäuerlichen Bevölkerung nach der 1848 gewonnenen Freiheit und der folgenden schrankenlosen Liberalisierung zu helfen. Letztere bescherte den Bauern – begünstigt durch den Eisenbahnbau – eine ruinöse Billigkonkurrenz aus allen Ländern und löste bald eine regelrechte Agrarkrise aus.

Als Helfer der Bauern trat auch Friedrich Wilhelm Raiffeisen auf, der den Genossenschaftsgedanken entwickelte und damit die Bauern den Fängen der Wucherer entriss. Die Genossenschaften nahmen sich auch der Vermarktung der Agrarprodukte an und verzeichneten in den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts einen stürmischen Aufschwung.

Es gab auch die Landwirtschaftsgesellschaften, die gerne als Vorläuferorganisationen der Landwirtschaftskammern bezeichnet werden. Sie alle trugen mit dazu bei, dass sich nach der Jahrhundertwende die Situation der Landwirtschaft stabilisierte.

Die politische Stärke der Bauern blieb allerdings weit hinter ihrer bevölkerungsmäßigen Mehrheit zurück. Dazu trug vor allem die Kirche bei, die durch die Aufhebung des Konkordats ihrer bisherigen Allmacht beraubt wurde. So entzog das Reichsvolksschulgesetz die Schulen dem Einfluss der Geistlichkeit, die sich natürlich nicht kampflos geschlagen gab. Sie nützte ihre treueste Klientel, die Bauernschaft, zur Rückeroberung der Macht und gründete Bauernorganisationen, die meist von Pfarrern geführt wurden und Forderungen vertraten, wie die Rückkehr zu konfessionellen Schulen, aber kaum agrarpolitische Akzente setzten.

Fortschrittlichen Bauern ging es indessen um den eigenen Berufsstand und seine wirtschaftlichen Belange. Sie sammelten und betätigten sich in Klubs und ähnlichen Vereinen bis Friedrich Karl von Rokitansky 1896 in der Steiermark die erste Bauernpartei gründete, die er „Christlicher Bauernbund“ nannte, sehr zum Missfallen der Kirche, die kurz darauf den Verband „Katholisch-konservativer Bauernverein“ ins Leben rief.

Im deutsch-böhmischen Raum entstand die „Deutsche Agrarpartei“, die nach Einführung des allgemeinen Wahlrechts 1907 in die Regierung berufen wurde. Ihr Gründer und langjähriger Obmann Franz Peschka wurde Landmannminister.

In der Ersten Republik wurden die verschiedenen „Bauernbünde“ der Bundesländer und die sich im österreichischen Kernland bildenden „Agrarparteien“ unter dem Verleger und Gründer des Steirischen Bauernbundes Leopold Stocker geeint. Sie nahmen 1922 die Bezeichnung „Landbund“ an und stellten von 1927 bis zur Machtübernahme des Austrofaschismus den Vizekanzler.

Der frei gewordene Begriff „Bauernbund“ wurde ab 1926 von den „Katholisch-konservativen Bauernvereinen“ übernommen, die ihn bis heute führen.

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2) Der Selbstschutz lag in den überzogenen Gebietsforderungen der nach dem Ersten Weltkrieg neugebildeten tschechoslowakischen Republik begründet. Sie verlangte während der Friedensverhandlungen in St. Germain 1918/19 in einem Dutzend Memoranden die Vergrößerung ihres Staatsgebietes auf Kosten Österreichs. Zuerst begehrte sie Niederösterreich nördlich der Donau und zuletzt einen 100 km langen und zehn bis 16 km breiten Grenzstreifen von Laa entlang der March bis Stopfenreuth, eine Gebietsabrundung bei Hardegg und bei Gmünd Gebiete zwischen Litschau und Karlstift.

Schließlich wurden der CSR das Feldsberger Gebiet mit fünf Orten und 4.500 ha Land sowie acht weitere Orte und die Teilung von Gmünd (rund 2.000 ha) zugestanden. Dessen ungeachtet besetzten die Tschechen bis Mitte Dezember 1918 alle deutschen Randgebiete von Böhmen und Mähren, obwohl ihnen die Siegermächte nur die militärische Besetzung einiger Verkehrsknotenpunkte erlaubt hatten. So kam es laufend zu Grenzverletzungen unter dem Titel von Requisitionen, die in Wahrheit räuberische Überfälle darstellten. Unter anderem wurde in Wildendürnbach die Gemeindekasse mit 20.000 Kronen entwendet.

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